Donnerstag, 28. November 2013

Jetzt live und direkt aus der Nervenheilanstalt:
Ein Student - Schreie aus der Anstalt Bologna - 33 Gedichte



Dieser Gedichtband ist für alle verlorenen Studenten da draußen. Es geht um systematische Massenabfertigung, Desorientierung, Verlust einer Jugend, desinteressierte Dozenten und unmenschliche Bürokratie-Netzwerke voller Wahnsinn und geistiger Verschwendung

Inhalt:
Der Wecker, Der Wurm, An der Bushaltestelle, Die Luft wird knapp, Krank, In der Bibliothek, Neues Semester, Im China-Restaurant, Der Trinker,
Soziophobie, Der Botenjunge, Tag X, Die Schafe warten, Familie Schein, Mein Gedicht, Der fröhliche Ignorant, Motivationsschreiben / Selbstbetrug, Reklame, Um 7.30 Uhr, Der alte Mann, Schon wieder ein neues Semester, Letzten Endes, Das Geschwür, Die leere Hand, Was bleibt, Ein Spaziergang, Veränderung, Vor dem Seminarraum, Frühstück , Baudelaire lächelte, Master of Zeitverschwendung, Semesteranfang, Silvester

Donnerstag, 12. September 2013

Ganz frisch aus dem Sanatorium:
"Die Abenteuer der Familie Manfred - Folge 3: Das Gewinnspiel" und die ersten drei "Manfred"-Folgen als Triple-Feature in einem Band:




http://www.amazon.de/Die-Abenteuer-Familie-Manfred-ebook/dp/B00F3HE31C/ref=sr_1_7?ie=UTF8&qid=1378978238&sr=8-7&keywords=cy+landie



 Inhalt Folge 3: Familie Manfred ist mal wieder chronisch pleite. Doch als sie während eines Einkaufs von einem Gewinnspiel erfahren, das mit einem Betrag von 100.000 € aufwartet, setzen Amin, Pacecco und Paule alles daran, ihren Traum vom schnellen Reichtum endlich zu verwirklichen...












http://www.amazon.de/Abenteuer-Familie-Manfred-Komplett-ebook/dp/B00F45MYZK/ref=sr_1_8?ie=UTF8&qid=1378978207&sr=8-8&keywords=cy+landie


 Die erste deutsche Sitcom in eBook-Format!
Humorvoll, vulgär & in höchstem Maße politsch unkorrekt!

Beschreibung: "Die Abenteuer der Familie Manfred" ist ein Angriff auf alle familienfreundlichen Sitcoms dieser Welt. Jenseits des guten Geschmacks und des gehobenen Niveaus regiert Vater Amin in seinem kleinen Appartment eine brutale Herrschaft. Amin raucht & säuft wie ein Loch, liebt Prostituierte, nimmt harte Drogen und schikaniert mit Vorliebe seine beiden Söhne, den hart arbeitenden Pacecco und den naiv-theatralischen Paule.
Zusammen erlebt diese "Familie" die verrücktesten Geschichten.

Inhalt Folge 1:
Große Aufregung im Hause Manfred! Sohn Paule verkündet stolz, dass er endlich eine Freundin gefunden hat und lädt seine neue Bekanntschaft prompt zum Abendessen ein. Alles könnte so harmonisch sein, wäre da nicht Vater Amin, der einen unerwarteten Geldsegen erhält und dieses Ereignis im großen Stil feiern will...

Inhalt Folge 2:
Als Vater Amin merkt, dass sein Alkoholkonsum allmählich außer Kontrolle gerät, entscheidet er sich für einen radikalen Entzug. Dabei kann er auf die Unterstützung von Pacecco & Paule zählen, die ihn fortan 24 Stunden am Tag überwachen. Doch wird es ihnen gelingen, Amin erfolgreich zu kurieren?

Inhalt Folge 3:
Familie Manfred ist mal wieder chronisch pleite. Doch als sie während eines Einkaufs von einem Gewinnspiel erfahren, das mit einem Betrag von 100.000 € aufwartet, setzen Amin, Pacecco und Paule alles daran, ihren Traum vom schnellen Reichtum endlich zu verwirklichen...

Montag, 2. September 2013

Danke für einen sensationellen Rang #58 in den Amazon-Verkaufscharts!

Wer es noch nicht kennt, einfach mal reinschnuppern
 
Jack & Jess gehen ins Kino: "Lost In Translation" von Sofia Coppola

http://www.amazon.de/dp/B00E5JZOAS/?tag=wwwbestebookf-21
 
 
 
 
 
Jack & Jess gehen ins Kino: "Eyes Wide Shut" von Stanley Kubrick
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Samstag, 17. August 2013

Meine neue Reihe "Die Abenteuer der Familie Manfred" ist ab sofort als eBook erhältlich!

Hier gehts zum Download:

 Die Abenteuer der Familie Manfred - Folge 1: Die neue Freundin

 Die Abenteuer der Familie Manfred - Folge 2: Der Entzug

Folge 3 - Das Gewinnspiel: In Bearbeitung

Die erste deutsche Sitcom in eBook-Format!
Humorvoll, vulgär & in höchstem Maße politisch unkorrekt!

Beschreibung: "Die Abenteuer der Familie Manfred" ist ein Angriff auf alle familienfreundlichen Sitcoms dieser Welt. Jenseits des guten Geschmacks und des gehobenen Niveaus regiert Vater Amin in seinem kleinen Appartment mit eiserner Herrschaft. Amin raucht & säuft wie ein Loch, liebt Prostituierte, nimmt harte Drogen und schikaniert mit Vorliebe seine beiden Söhne, den hart arbeitenden Pacecco und den naiv-theatralischen Paule.
Zusammen erlebt diese "Familie" die verrücktesten Geschichten.






Textauszug zu Folge 2 - Der Entzug:

1. Szene
Paule Manfred sitzt zu Hause auf dem Sofa und schaut sich eine Fernsehsendung an. Pacecco kommt nach einem langen Arbeitstag nachhause und schließt die Wohnungstür auf.

PACECCO (kommt zur Tür rein und lässt sich auf das Sofa zu Paule fallen). Meine Fresse, endlich Feierabend. Seit 14 Stunden schon sehne ich mich danach – ich sage dir, das strengt unheimlich an.

PAULE. Mein Gott, Pacecco!! Sprich, wo bist du denn nur gewesen? Bist du bei guter Gesundheit?

PACECCO. Wie, wo bin ich gewesen? Ich war in der Kohlemine schuften, wie jeden Tag. Habe Steine geschleppt wie ein Esel.

PAULE. Wie meinen? Ich verstehe nicht. Du hast dein Tageswerk geleistet? An einem Sonntag?

PACECCO. Von wegen Sonntag, heute ist doch Montag, du Köter.

PAULE. Ach, deswegen vernahm ich so ein reges Treiben draußen auf der Straße. Heute ist ja Montag, ich Narr. Ich war so krank vor Sorge um dich, dass ich bereits mit dem Gedanken gespielt habe, Flugblätter mit deinem Antlitz zu verteilen! Aber ich konnte es nicht übers Herz bringen, besitze ich doch bloß Bilder von dir, auf denen du eine garstige Fratze schneidest!

PACECCO. Vielleicht solltest du mal öfters vor die Tür gehen. Wenn du den ganzen Tag hier drin hockst und deinen Stuss da schreibst, wirst du irgendwann noch bescheuerter, als du jetzt schon bist.
Was guckst du eigentlich gerade fürn Scheiß?

PAULE. Eine höchst interessante Kochsendung. Dort kochen 5 Hausfrauen gegeneinander, die oftmals zwischen Fleischspießchen und geschnittenem Gemüse amüsante Anekdoten aus ihrem täglichen Leben preisgeben. (Lacht) Die sind teilweise so keck, dass ich mich manchmal sogar dabei ertappe, wie ich hier auf dem Sofa sitze und mit dem Studiopublikum mitklatsche. Ist das nicht grandios?

PACECCO. Ja, doch wirklich, ich freu mich für dich. Aber bevor ich jetzt die Männer in Weiß anrufen muss, die dich in eine Zwangsjacke stecken und die nächsten paar Jahre in eine Gummizelle verfrachten, schalte ich jetzt doch einfach mal um, ja? (wechselt das Programm)

PAULE. Meine Lieblingssendung, nein! Wie kannst du es wagen? Schande über dich und deine Familie!

PACECCO (findet eine Pornosendung). Alter, ich muss 14 Stunden lang in der heißen Kohlemine schwitzende, stinkende Männer ertragen. Da brauch ich abends einfach meine Tittenpornos, ok? Wenn du ein Problem damit hast, schreib ein Gedicht drüber.

Das Telefon klingelt.

PAULE. Horch, die Glocken läuten! Herein! Herein! Es droht Gefahr!

PACECCO. Das ist nur das Telefon, Mann. Geh du ran, ja? Ich bin jetzt viel zu schwach dafür. Wenn ich jetzt den Hörer abnehme, habe ich Angst, meine Schulter auszukugeln.

PAULE (nimmt den Hörer ab). Wer da? Sprich Geselle, oder schweig für immer!
(lauscht dem Anrufer) Aha. Aha. Soso. Neeein?

PACECCO. Was ist denn los? Ist schon wieder ein berühmtes Tier im Zoo gestorben, oder was? Diese verdammten Kinder. Wenn die Tiere erwachsen geworden und nicht mehr so niedlich sind, wie früher, wenden sich die Kinder einfach ab und lassen die armen Tiere in ihren Käfigen verotten.

PAULE (hängt den Hörer nachdenklich wieder auf). Hm. Welch tragische Kunde.

PACECCO. Was ist denn?

PAULE. Ich pflegte gerade eine blamable Konversation mit einem Polizeibeamten.

PACECCO (springt auf). Bitte was, schon so spät? Alter, ich hau ab, ja? Tja, sind schon verrückte Teile da, diese Uhren. Ständig bewegt sich dieser Zeiger, wenn man es am wenigsten erwartet.

PAULE. Halte ein, es ging doch gar nicht um deine Person. Es ging um unseren Erzeuger, unseren lieben Vater Amin. Der Polizeibeamte teilte mir in aller Höflichkeit mit, dass Vater wieder betrunken in einer Spelunke randaliert hat. Er hat Streit angefangen und ist dann bei einem Messerduell auf Leben und Tod scheinbar übel zugerichtet worden!

PACECCO. Puh, da bin ich aber erleichtert. Dachte schon, es wäre was ernstes. Dann kann ich mich ja wieder zu dir setzen und weiter den Porno schauen. War gerade so spannend.

PAULE. Der Beamte sagte weiterhin, jemand müsse Amin abholen. Vater liegt da mutterseelenallein im Rinnstein vor der Bar in seinem eigenen Erbrochenen.

PACECCO. Wie meinst du das, “abholen“? Jetzt? Mitten in der Nacht?

PAULE. „Nacht“? Gerade erst hat es die 17 Uhr geschlagen.

PACECCO. Und wenn schon, ich habe Feierabend, ich kann mich jetzt nicht mehr bewegen. Ich sage dir was, ich werde jetzt diesen Porno zuende schauen, genüsslich mein kühles Feierabend-Bier trinken und meine Eier massieren, und das war’s. Finito. Alles andere wäre Stress. Und du weißt, was Stress macht, oder Paule?

PAULE. Nein, was macht denn der Stress?

PACECCO. Glatzen. Der Stress macht Glatzen, Paule, Glatzen nach einem üblen Haarausfall. Willst du etwa, dass ich meine Haare verliere?

PAULE. Natürlich nicht, nichts liegt mir ferner.

PACECCO. Na sieht du, da sind wir ja schon zu zweit. Drum wirst du Amin abholen. Und jetzt stör mich bitte nicht länger, ich kann schon fühlen, wie meine Haut um Hilfe schreit. Wegen all dem Stress hier in den letzten Minuten ist sie bestimmt schon um Jahre gealtert.

PAULE. Ich schreite schon davon, aber bitte warte nicht auf mich, es könnte zu später Stunde sein, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, an dem ich zurückkehre!

PACECCO. Jaja, verpiss dich endlich.

Freitag, 9. August 2013

Cy Landies 
KUNST KOMPASS (1. Teil)

Bildrezension zu einem meiner absoluten Lieblingsbilder:
Francisco de Goya: Der Schlaf / Traum der Vernunft erzeugt Ungeheuer, 1797/98
 

Die 43. Radierung (Francisco de Goya, Der Schlaf / Traum der Vernunft erzeugt Ungeheuer, aus den Caprichos, 1797/98, Radierung und Aquatinta, 21,6 x 25,2 cm. Privatsammlung, Hamburg) zählt zu den populärsten und meist interpretierten Bilder der europäischen Kulturgeschichte und gilt als programmatisches Zeugnis einer kreativen Befreiung im Sinne der Aufklärung. Goya wirkt bei diesem Werk wie ein Grafiker, der anderen Künstlern seiner Zeit weit voraus ist. Er spielt dabei mit harten Kontrasten und herrscht über die Trennung von Licht und Schatten. Das Bild sollte erst als Titelblatt der Reihe fungieren, doch Goya platzierte das Werk schließlich in die Mitte des Gesamten und eröffnet damit den Teil seiner Arbeit, welche Nacht- und Hexenszenen beinhaltet. Das Motiv ist durchzogen von Mehrdeutigkeit, welche es für den Betrachter so attraktiv werden lässt. Der tiefere Sinn muss von ihm entschlüsselt werden. Es ist gleichzeitig offen und verborgen, einladend und verschlossen. Aus diesem Grund stellte sich heraus, dass auch bei den nachfolgenden Generationen Goyas Radierung eine spannende Interpretationslust auslöste. Es spornte dazu an, sich mit jeweils aktualisierten Deutungsansätzen und neuen künstlerischen Horizonten dem Werk zu nähern. Auf Capricho No. 43 eröffnen sich dem Betrachter zunächst zwei Ebenen, eine helle und eine dunkle – eine vordergründige und eine daruntergelegene. Die Komposition zeichnet sich durch den harten Kontrast von Schwarz-Weiß aus, aber auch grau gehaltene Zwischentöne sind vertreten. Dem Betrachter springt sofort die beleuchtete Person ins Auge, die sich von der Bildmitte bis in die vom Betrachter ausgehende linke untere Bildhälfte erstreckt und sich mit beiden Armen auf einem Schreibtisch abstützt, der von links in das Bildgeschehen hineinragt. Die Person trägt eine längliche Robe und sitzt nicht direkt vor dem Schreibtisch, sondern eher daneben auf einem Stuhl. Der Unterkörper und die sich überkreuzenden Beine sind direkt dem Betrachter zugewandt, während sich der Kopf tief in die Arme vergräbt. Das Gesicht bleibt in dieser Position verdeckt, lediglich der dunkle, strähnige Haarschopf ragt ein Stück heraus. Sein Körper scheint ruhig und bewegungslos zu sein. Auf dem Tisch links neben der Person liegen mehrere Schreibutensilien, darunter Stift, Pinsel und Papier. Auf der Frontseite des Tisches ist gut sichtbar die Schrift El sueño de la razón produce monstruos (zu dt.: Der Schlaf / Traum der Vernunft erzeugt Ungeheuer) eingraviert. Die Person wird von einer Vielzahl von Tieren umringt, welche sich von der Bildmitte nach rechts oben und rechts unten ansammeln. Besonders hervorstechend ist dabei die ebenfalls hell erleuchtete Eule, die auf dem Rücken der Person ihre Flügel ausstreckt. Während links neben dieser Eule noch zwei weitere auf einem dünnen Ast sitzen, lässt sich weiter rechts eine dunkle Katze erkennen. Auf dem Boden rechts neben der Person verweilt ein Luchs, welcher mit übereinander gelegten Pfoten seinen Kopf zu der Person richtet. Hinter der hellen Front mit der Person und dem Schreibtisch erstreckt sich das Bild dann in dunkleren Nuancen. Je tiefer der Betrachter in die obere und untere rechte Bildhälfte eintaucht, desto unruhiger, undeutlicher und dunkler werden auch die Tiere, die sich anhand ihrer Flügelform aber deutlich als Fledermäuse und Eulen zu erkennen geben und in ihrer Vielzahl einerseits aus der Richtung der Person, andererseits aus der hinteren Bildebene zu fliegen scheinen. Goyas Radierung erlangte weltweit Berühmtheit, da auf den Punkt bringt, was den Menschen, seinen Geist und seine Fähigkeiten ausmacht. Zahlreiche Kunsthistoriker sind der Ansicht, dass der Dualismus zwischen Gefühl auf der einen Seite und Vernunft auf der anderen mit diesem Bild aus den späten 1790er Jahren ein Gesicht bekommen habe. Es sei das Bild der Moderne. Wie bereits vorher erwähnt, gibt es, auch aufgrund der hellen und dunklen Ebenen des Bildes, zahlreiche Ansätze für verschiedene Interpretationen. Eine Problematik für den Titel ergibt sich unter anderem aus dem spanischen Wort sueño, dass entweder mit Schlaf oder mit Traum übersetzt werden kann. Dennoch sehen viele diesen Titel, ob mit Traum oder Schlaf übersetzt, als treffenden Sinnspruch für die Dialektik der Aufklärung an.
Es lässt sich generell feststellen, dass Goya als Protagonisten einen Künstler wählt, welcher über seiner Arbeitsfläche, bestehend aus mehreren Schreibinstrumenten, eingeschlafen ist. Sein hell-leuchtend betonter Körper wirkt einerseits ruhig und bewegungslos, andererseits ist seine Position unbequem und möglicherweise auch resignierend. Es scheint so, ob er sich zwischen einem sitzenden und liegendem Zustand befindet und spontan in sich versunken ist. Über seinem niedergesunkenen Haupt flattern Tiere in der Dunkelheit empor, die, im Hinblick auf die Bildrichtung von links nach rechts, auf der einen Seite aus ihm selbst zu entstehen scheinen, auf der anderen Seite für ihn eine Bedrängnis und Bedrohung darstellen. Bedenkt man Goyas Haltung gegenüber der Kunst sowie den Titel des Bildes, so kann man weiter zum Schluss kommen, dass der Künstler die Vernunft repräsentiert, dessen Innerstes in Form von nächtlichen Traumvisionen erzeugt und nach außen gekehrt wird. Dieses Erzeugen wird zwar bereits im Titel angedeutet, doch auch andere Indizien sprechen dafür: Während der Künstler überwiegend durch helle Töne repräsentiert wird, erscheint sein Haupt in derselben dunklen Intensität wie seine eigenen dämonischen Schöpfungen. Sie scheinen direkt aus seinem Kopf zu kommen. Diese Visionen und unterbewussten Träume, welche zu Goyas Zeit noch weitgehend unerforscht sind, werden dabei von Fledermäusen vergegenwärtigt und der Vernunft gegenüber gestellt: Die von geflügelten und vierbeinigem Nagetier bevölkerte Finsternis verweist auf die Abwesenheit der Vernunft. Die Fledermäuse verleihen dem Bild eine unruhige, düstere Komponente. Bei der größten Fledermaus glaubt man gar, der Teufel persönlich stürze sich auf den Schlafenden hinab. Die Dunkelheit fungiert bei Goya als die Gegenwart der Unvernunft, welche sich im Dämonischen, in der Lüge und im Wahnsinn widerspiegeln. Schläft also der Verstand, während ihn die Mächte des Bösen in die Enge treiben? Träumt der Verstand vom Bösen oder der Lüge? Es gibt Meinungen, welche konkreter besagen, dass Goya die Verlassenheit des Menschen thematisiere, dessen Dämonen er mit der eigenen Phantasie erschaffe.
Das Bild beleuchte den Zusammenhang von Vernunft und Einbildungskraft im schöpferischen Prozess. Um ihnen und ihrem Angriff zu widerstehen, müsse der Mensch aus sich selbst schöpfen. Dies würde die ebenfalls hell beleuchtete Eule als Symbol der Weisheit erklären, welche auf der Rückseite des Schlafenden ihre breiten Flügeln zu seinem Schutz ausbreitet. Die Haltung der Flügel erinnert des weiteren in der Kombination mit dem Körpers des Schlafenden an eine Engel-Symbolik. Stellt dies möglicherweise eine ironische Anspielung Goyas auf die Redewendung Schlafen wie ein Engel dar? Auch der in hellen Tönen hervorgehobene Luchs wirkt wie ein Beschützer des Schlafenden, welcher, anhand der überlagerten Pfoten an die überkreuzten Beine des Schlafenden erinnernd, mit Klugheit und Vorsicht im Hintergrund über ihn wacht.
Generell geht es Goya also um das Verhältnis der Vernunft und der Rationalität im wachen Zustand und den dämonischen Träumereien eines Schlafenden. Somit dient die Komposition Goyas als ein Ausdruck für die Moderne, welche sich auch mit der beunruhigende Fragen des Menschen nach den Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen seiner künstlerischen Produktivität und Phantasie befasst. Gleichzeitig lässt sich annehmen, dass Goya damit aber auch über seine eigenen Tätigkeiten und Aufgaben als Künstler reflektiert.

Donnerstag, 8. August 2013

aus  
Der Wahnsinn, den die Nacht erschafft - 23 Gedichte


Kaffee

Das grässliche Geräusch des Weckers durchschlägt mein Trommelfell, ich wache so verschreckt auf, als prügle jemand aus heiterem Himmel mit einer Rohrstange auf mich ein
und ich kann sie nicht fassen, diese unsägliche, widerliche Wahrheit
dass die Nacht schon vorbei ist
einfach so
diese wunderbare, mystische Nacht,
die mich berührte, mit ihrer ganz eigenen unsterblichen Melodie Fragen schießen spontan in meinen Schädel
Wie zum Teufel kann sich jemand erdreisten, mir den Schlaf zu rauben?
Ein äußerer Zwang lässt mich wie eine Parodie meiner Selbst aufstehen,
hinaus in die Kälte, hinaus in das Elend, das sie für uns geschaffen haben
Was ist das nur für eine Welt, in die wir hineingeworfen werden, wie die Schweine ins Schlachthaus?
Ich versuche, meine Augen zu öffnen, doch ich kann sie nur zu schmalen Schlitzen zusammenkneifen, versuche Orientierung zu erlangen, doch ich wanke durch die Wohnung wie ein vollgedröhnter Penner,
ein hoffnungsloser Fall, in der letzten Nacht noch auf der Suche nach dem Lebenssinn, nun auf der Suche nach seinen blauen Schlappen
Irgendwie gelange ich ins Badezimmer, setze mich auf die Toilette und würde dort so gerne weiterschlafen, nur noch ein bisschen Schlaf, wunderbarer, heilsamer Schlaf
Was ist das nur für eine Gesellschaft, die jeden Morgen aufs Neue eine solche geistige Tortur toleriert?
Wo vorher noch der Leichtsinn tobte, ist plötzlich alles kalt und trostlos und verdorben
Ich komme in die Küche und versuche, meine Körperfunktionen zu regeln, öffne den Schrank und ein warmer Duft strömt in meine Nase, endlich ein Lichtblick, an den ich mich klammern kann
Ich hole die Kaffeedose und die Kaffeefilter
hervor, dann noch einen kleinen Löffel, mit dem ich
Kaffeepulver
in den Filter häufe, eine gute Dosis schwarzen Bohnenkaffee,
so, wie es die Gewohnheit verlangt
ich schalte die Maschine an und höre zu, wie der Kaffee gekocht wird,
ein unverwechselbares Klangerlebnis
das schwarze Getränk fließt behutsam in die Kanne hinab, bis auch der letzte Tropfen aus dem Filter entronnen ist
Ich nehme die Kanne, gieße mir eine dreiviertel Tasse voll, nehme Milch aus dem Kühlschrank dazu, und fülle das letzte Viertel der Tasse mit Milch, dann setze ich mich an den Küchentisch und genieße diesen stillen Moment, vielleicht der letzte Moment bis zum Abend, bei
dem ich so etwas wie Frieden verspüre, allein und ohne dieses Getue
Ich versuche, das Unvermeidliche hinaus zu zögern, weil ich weiß, was mich erwartet; ich sehe mich bereits, wie hinter dem Lenker sitze und über die anderen Fahrer schimpfe; ich sehe bereits die dämlichen Gesichter der Kollegen, wie sie mir einen guten Morgen wünschen und ich ihnen auch,
jedoch wünschen wir uns in Wirklichkeit
nichts von Wert
Wir sind einfach nur da, weil wir irgendwo sein müssen, egal ob hier oder in Peking, in Paris oder New York
Es gibt keine Alternative, jedenfalls nicht im Moment
Und so versuche ich weiter, das Unvermeidliche hinaus zu zögern, trinke meinen Kaffee, starre die Küchenuhr an wie meinen schlimmsten Feind
Jedes Ticken bringt mich näher zu ihnen
Wie um alles in der Welt bin ich nur in eine solche Lage gekommen?
Ich warte ab, bis mir nichts mehr anderes übrig bleibt, bis ich wirklich gehen muss.
Ich trinke die letzten Schlücke Kaffee und klammere mich noch einmal
mit aller Kraft
an die Tasse
Als die Zeit gekommen ist, wird etwas in mir einfach ausgeschaltet
Ich weiß, dass es wichtig ist